Das Problem mit dem Jahrtausendwechsel

Mit Sicherheit haben sich alle Reiter angesichts der breiten Unkenntnis von möglichen Konsequenzen des Jahrtausendwechsels bereits gefragt, was denn mit ihrem Pferd nach Sylvester 1999 sein würde. Im nachfolgenden Text möchte ich allen Reitern eine genaue Anleitung an die Hand geben, wie man auch im neuen Jahr seinem alten Hobby in gewohnter Weise nachgehen kann.

Wie sich in Experimenten mit vordatierten Pferden durch verfrühtes Zünden von Sylvesterkrachern in der Stallgasse gezeigt hat, wird die erste akute Bedrohung durch eine massive Brandgefahr repräsentiert. Es ist daher sehr empfehlenswert, sich im Zuge der Sylvestervorbereitungen mit einem möglichst groß dimensionierten Feuerlöscher auszustatten. Dies kann insbesondere dann auch hilfreich werden, wenn die interne Datumsumstellung im Pferd versagen und es daraufhin in Brand geraten sollte.

Eine eiserne Regel sollte sein: Nicht während des Jahrtausendwechsels auf dem Pferd sitzen! Die Gefahr, betrunken vom Pferd zu fallen, ist hier überproportional hoch. Außerdem können auch hier Probleme mit der internen Datumsumstellung zu unerwarteten Reaktionen führen.

Lassen Sie sich Ihrem Züchter rechtzeitig die Jahrtausendfähigkeit schriftlich bescheinigen. So erhalten Sie im Falle einer späteren gerichtlichen Auseinandersetzung eine rechtliche Handhabe für Schadensersatzansprüche. Ihr Züchter ist hierzu gemäß Produkthaftungsgesetz verpflichtet. Lassen Sie bei der Gelegenheit auch gleich überprüfen, ob Zuchthengst und Zuchtstute 2000-fähig sind, denn das minimiert die Gefahren für Ihr eigenes Pferd.

Bescheinigungen vom Betreiber der Reitanlage über die Fähigkeit zur fortgesetzten Wasserversorgung, Nachweis des Besitzes von Notstromaggregaten zum Betrieb des Kaffeeautomaten nach einem Stromausfall und die Jahr-2000-Fähigkeit des eingesetzten Heus und Strohs sollten unbedingt vorgelegt werden. Gesetzlich steht es Ihnen zu, entsprechende glaubwürdige Nachweise zu verlangen. Sprechen Sie unbedingt auch die Hersteller der Boxentüren an, denn nichts wäre schlimmer als ein intaktes Pferd, das in seiner Box eingesperrt ist.

Häufig wurde bei Experimenten die Beobachtung gemacht, daß die Pferde Schwierigkeiten mit der internen Zeitumstellung hatten, weil ihnen gar nicht bewußt geworden war, daß sich ein Jahrtausendwechsel ereignet hatte. Kaufen Sie Ihrem Pferd einen Kalender, damit es sich rechtzeitig auf die neue Situation vorbereiten und einstellen kann.

Ferner sollten Sie Ihr Pferd unmittelbar um 0:00 Uhr am 1.1.2000 noch einmal vorsichtig daran erinnern, damit es sich rechtzeitig umstellen kann. Seien Sie ruhig, verursachen Sie Ihrem Pferd in dieser heiklen Situation keinen zusätzlichen Streß. Erklären Sie dem Pferd in aller Ausführlichkeit, ein neues Jahrtausend habe begonnen und es müsse nun mit vierstelligen Jahreszahlen rechnen. Zeigen Sie unendliches Verständnis, auch für Fehlreaktionen wie Tritte und Bisse. Helfen Sie ihm bei der Konvertierung alter Daten, beantworten Sie alle seine Fragen. Bei jüngeren Pferden dürfte dieser Prozeß eher schneller abzuwickeln sein - bei älteren Pferden dürfte es angesichts der größeren Anzahl an Daten schon ein wenig länger dauern. Tragen Sie bei Aufenthalt in der Nähe Ihres Pferdes unbedingt einen Asbestanzug, um einen ausreichenden Selbstschutz zu gewährleisten.

Tiere, die ein Alter von über 40 Jahren bereits überschritten haben, bewegen sich während des Jahrtausendwechsel in einer äußerst kritischen Phase. Hier sollten Sie bei ernsthaften Ambitionen im Turnier- und Reitsport schon vorher über Ersatzanschaffungen nachdenken. Es ist überhaupt empfehlenswert, sich im Vorfeld ein Zweit- und Drittpferd zuzulegen, um die Abhängigkeiten zu reduzieren.

Zum Thema Ersatzanschaffungen im Allgemeinen: Tätigen Sie Ihre Vorratskäufe an Pferden rechtzeitig. Kurz nach dem Jahrtausendwechsel ist ein erheblicher Nachfrageschub zu erwarten, den hiesige Züchter nicht zuletzt aufgrund eigener Ausfälle nur schwer kompensieren können. Vermutlich werden Importe aus den USA den deutschen Markt überschwemmen, denn dort hat man sich schon wesentlich früher mit dem Jahrtausendproblem auseinandergesetzt.

Besonders kritisch sind Pferde einzuschätzen, welche die Datumsumstellung augenscheinlich erfolgreich durchführen, im Nachhinein aber unerklärliche Phänomene offenbaren, deren Zusammenhang mit dem 2000-Problem nur vermutet werden kann. Erst eine kostenintensive Untersuchung durch einen kompetenten Veterinärmediziner offenbart Schwierigkeiten mit dem Jahrtausendwechsel als Ursache, wobei diese in einem so fortgeschrittenen Stadium nur schwer beseitigt werden können.

Nach einem erfolgreich überstandenen Jahreswechsel sollten Sie nicht sofort in den Alltag einsteigen. Fangen Sie nur langsam wieder an, versuchen Sie, sich ausreichend abzusichern. Lassen Sie sich anfänglich von kompetenten Ansprechpartnern Ihres Vertrauens an die Hand nehmen und beraten, wie in der nebenstehenden Abbildung veranschaulicht wird.

Sie haben hiermit einen Einblick in die Komplexität dieses Themas erhalten und ich hoffe, daß Sie mit dieser Anleitung dazu in der Lage sind, sich rechtzeitig auf alle eventuellen Probleme einzustellen. Ich wünsche Ihnen einen guten Rutsch!

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